Institut für Angewandte Geowissenschaften
Kopfbild Historie KIT

KIT Geschichte - Angewandte Geowissenschaften

Polytechnische Schule 1836 an der "Langen Straße" (heute Kaiserstraße),

geplant von Heinrich Hübsch (Quelle: http://www.archiv.kit.edu/)

Since 1825: From “Polytechnical School” to the “KIT”

Großherzog Friedrich I.
von Baden (Quelle: Reclams
Univ.: Weltrundschau 1902)

Das KIT ist eine der ältesten technischen Universitäten in Europa. Es wurde 1825 als Badische Polytechnische Schule gegründet und wurde zum Vorbild für andere angesehene polytechnische Schulen wie die ETH Zürich, die TU Dresden, die TU Braunschweig, die TU München und die RWTH Aachen. Der Gründungsdirektor des MIT bemerkte 1864, dass das Carlsruhe Institute dem, was als Massachusetts Institute of Technology bezeichnet wird, näher war als jede andere ausländische Einrichtung. Die Badische Polytechnische Schule erhielt 1865 durch den Großherzog Friedrich I. von Baden (Foto) den Status einer Technischen Universität und wird seit 1902 auch Fridericiana genannt. Die Universität führte 1867 den Abschluss Diplom und 1868 die Habilitation ein.

Die Geowissenschaften waren von 1948 bis 1966 in der Fakultät für Natur- und Geisteswissenschaften angesiedelt. Nach der Aufteilung der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät im Jahr 1969 waren die Geowissenschaften in der Fakultät für Bio- und Geowissenschaften angesiedelt und sind seit 2002 Teil der Fakultät für Bauingenieur-, Geo- und Umweltwissenschaften. Geophysik wurde 1964 gegründet und ist seither an der Fakultät für Physik angesiedelt. 2009 wurden die TH Karlsruhe und das Helmholtz-Forschungszentrum (Forschungszentrum Karlsruhe) zum Karlsruher Institut für Technologie KIT zusammengeführt.

Die Anfänge der Geologie und Mineralogie

Friedrich A. Walchner
(Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe)

Friedrich August Walchner (*1799 - †1865, s. Foto) war von 1825 bis 1855 der erste Geowissenschaftler-Professor in Karlsruhe. Zusammen mit seinen 11 Kollegen baute er das Polytechnische Institut Carlsruhe auf. Zuerst unterrichtete er Chemie, "Oryktognosie" (Mineralkunde, Mineralogie) und "Geognosie" (das altdeutsche Wort für Geologie), ab 1851 nur noch Geologie (Geognosie) und Mineralogie. Karl Ludwig Fridolin von Sandberger (*1826 - †1898) wurde von 1855 bis 1863 als Professor für Geologie und Mineralogie an das Polytechnische Institut in Karlsruhe berufen, bevor er eine Professur an der Universität Würzburg antrat. Damit sind die Geowissenschaften seit der Gründung des KIT im 19. Jahrhundert ein fester Bestandteil des KIT. Sandberger unterrichtete Mineralogie, Paläontologie, Geologie und Erzmineralien. Von 1863 bis 1866 trat Karl Alfred Zittel (*1839 - †1904), ein damals bekannter Paläontologe, in seine Fußstapfen und wechselte 1866 an die Münchner Universität. Dort wurde er zum bayerischen Ritter "von Zittel" befördert. Adolf Knop (*1829 - †1893) wurde 1866 als Professor für Geologie und Mineralogie an die TH Karlsruhe berufen. Neben seinen Forschungen vor allem auf dem Gebiet der Mineralchemie und Gesteinsanalytik war er 1871 der Gründer des OGV Oberrheinischer Geologischer Verein e.V. Ein weiterer wichtiger Geowissenschaftler in dieser Zeit der interdisziplinären Forschung ist Otto Lehmann, der 1889 die Nachfolge von Heinrich Hertz auf dem Lehrstuhl für Physik antrat. Er ist bekannt durch seine Experimente zur Kristallzüchtung unter dem Mikroskop und seine Studien an Flüssigkristallen. Der Mineraloge R. Brauns (*1861 - †1937), einer der führenden deutschen Mineralogen der damaligen Zeit, leitete 1894/1895 den Lehrstuhl für Geologie und Mineralogie und wechselte 1895 an die Universität Gießen. Carl Futterer (*1866 - †1906) folgte auf den Lehrstuhl (1895 - 1904) und verlagerte die ehemals quantitativen mineralogischen Ansätze hin zu expeditionsgetriebener beschreibender Geologie und paläontologischer Forschung. Er unternahm ausgedehnte Exkursionen nach Asien und starb leider früh im Alter von 40 Jahren. Wilhelm Paulcke (*1873 - †1949) hatte von 1905 bis 1934 den Lehrstuhl für Geologie und Mineralogie inne und wurde 1919 - 1920 Rektor der TH Karlsruhe. Paulcke war ein außergewöhnlicher Bergsteiger mit mehreren Erstbesteigungen in der Silvretta. Als begeisterter Skiläufer förderte er den Sport in der Öffentlichkeit und gründete 1905 den Deutschen Skiverband und den Universitätssport am KIT. Seine breiten akademischen Interessen umfassten die Mechanismen von Lawinen, die alpine Tektonik, die Korrelation des Schweizer Flysches mit der Paläontologie sowie die experimentelle Strukturgeologie (Paulcke, 1912, Das Experiment in der Geologie, 108 S.). Von 1936 bis 1945 hatte Karl Georg Schmidt (*1902 - †1976), ein Schüler von Paulcke, den Vorsitz inne. Seit 1946 stand der Bauingenieur Alfred Bilharz (*1884 - †1968) nach dem Zweiten Weltkrieg stellvertretend an der Spitze des Lehrstuhls; er hatte sich seit Mitte der 1920er Jahre mit geologischen Themen beschäftigt. Billharz wurde 1933 von seinem Beamtenposten in Baden-Baden in den vorläufigen Ruhestand versetzt. Im Jahr 1955 wurde er Honorarprofessor an der TH Karlsruhe. 1950 übernahm Dieter Hoenes (*1912 - †1955) den Lehrstuhl. Henning Illies (*1924 - †1982) folgte 1958 auf den Lehrstuhl für Geologie und setzte sich für den weiteren Ausbau der bestehenden Professuren für Geophysik, Geochemie und Angewandte Geologie ein.

Das Spektrum der Angewandten Geowissenschaften vergrößert sich

Illies wurde 1958 zum außerplanmäßigen Professor ernannt und leitete seit 1963 das Geologische Institut (Allgemeine & Historische Geologie) an der TH Karlsruhe, seinen Forschungsschwerpunkt zum Oberrheingraben (z.B. 1981 Buch über "Mechanismen der Grabenbildung"). Rolf Stellrecht (bis 1993?) und Eberhard Sittig waren außerordentliche Professoren bei Illies, die Historische Geologie und Paläontologie lehrten. Seit 1973 war Illies Mitglied der Leopoldina, seit 1978 Redakteurin der Zeitschrift Tectonophysics und Stipendiatin der Geological Society of America (GSA). Rudolf Metz war seit 1958 am Geologischen Institut tätig, nach seiner Habilitation 1971, die er 1983 mit einer ausserordentlichen Professur abschloss, trat er 1988 in den Ruhestand.
Gerhard H. Eisbacher (*1935) leitete das Geologische Institut mit den Schwerpunkten Struktur- und Regionalgeologie von 1985 bis 2003. Eisbacher wechselte von der Kanadischen Geologischen Gesellschaft an die TH Karlsruhe und setzte die Zusammenarbeit von Illies mit dem Geophysikalischen Institut mit Arbeiten am Rheingraben, im Schwarzwald und in anderen Untersuchungsgebieten weltweit fort. Nachfolger Sittigs wurde 1994 Wolfgang Stinnesbeck als assoziierter Professor für Paläontologie. Stinnesbeck wechselte 2007 von Karlsruhe an die Universität Heidelberg. Das Geologische Institut mit Gerhard Eisbacher wurde von Reinhard O. Greiling abgelöst, der 2007 mit seinem Lehrstuhl für Strukturgeologie und Tektonophysik und dem Gesteinsmagnetiklabor im Wechsel mit Stinnesbeck von der Universität Heidelberg nach Karlsruhe wechselte. Das Institut wurde in Institut für Angewandte Geowissenschaften umbenannt und deckt die Bereiche Ingenieurgeologie, Hydrogeologie, Petrologie und Strukturgeologie ab. Greiling ging 2014 in den Ruhestand. Stinnesbeck's and Greiling's Wechsel basierte auf der Evaluation der Geowissenschaften durch das Land im Jahr 2005/2006 mit der Umstrukturierung der Geowissenschaften in Baden-Württemberg, wobei der Schwerpunkt auf den Mensch-Umwelt-Aspekten der Geowissenschaften in Heidelberg und den Angewandten Geowissenschaften am KIT lag. Christoph Hilgers leitet seit 2016 die Abteilung Strukturgeologie.

Die Professur für Angewandte Geologie innerhalb des Geologischen Instituts wurde 1965 von Prof. Viktor Maurin (*1922 - †2011) mit dem Schwerpunkt Karsthydrogeologie eingerichtet. 1985 bis 2005 leitete Kurt Czurda (*1940) von Innsbruck (Österreich) nach Karlsruhe den Lehrstuhl für Angewandte Geologie mit dem Schwerpunkt Ingenieurgeologie. Maurins Assistent Heinz Hötzl (*1941) habilitierte sich 1972 und wurde 1974 ausserordentlicher Professor. Im Jahr 1978 wurde er zum ausserordentlichen Professor für Hydrogeologie ernannt und ging 2007 in den Ruhestand. Sein Forschungsthema war die Hydrogeologie mit besonderem Schwerpunkt auf Karstaquiferen. Seit 2011 wird die Abteilung für Hydrogeologie von Nico Goldscheider geleitet. Die Abteilung für Ingenieurgeologie wird von Philipp Blum geleitet.

Aus der Geologie und Mineralogie werden zwei Institute

Das Institut für Mineralogie wurde 1959 gegründet und von H. Jagodzinski geleitet, der 1963 in den Ruhestand trat. Sein Nachfolger wurde Egon Althaus (*1933), der 1971 für Mineralogie und experimentelle Petrologie berufen wurde. Althaus war von 1972 bis 1974 Dekan der Fakultät für Bio- und Geowissenschaften. Werner Smykatz-Kloss (*1938) wurde in den 1970er Jahren zum außerordentlichen Professor für Sedimentpetrologie am Institut für Mineralogie ernannt und ging 2003/2004 in den Ruhestand. In den Jahren 1996 und 1997 fungierte er als Dekan der Fakultät für Bio- und Geowissenschaften. Egon Althaus wurde von Doris Stüben (*1955) abgelöst, und nach ihrer vorzeitigen Pensionierung leitete Thomas Neumann das Institut von 2008 bis 2016 in Vertretung. Im Jahr 2016 wurde Jochen Kolb zum Professor für die Abteilung Geochemie und Lagerstättenkunde berufen.

Das Institut für Petrographie und Geochemie wurde 1969 mit der Ernennung von Harald Puchelt (*1929 - †2004) gegründet. Puchelt beschäftigte sich mit aquatischer und Umweltgeochemie. Prof. Gerd Rein (*1913 - †1972) wurde von 1965 bis 1973 zum Professor für Petrographie berufen. Rainer Altherr (*1947) wurde 1982 für Petrologie berufen und wechselte 1994 an die Universität Heidelberg. Das Institut für Mineralogie und das Institut für Petrographie und Geochemie wurden mit der Berufung von Doris Stüben zum Institut für Mineralogie und Geochemie zusammengelegt. Altherr wurde 1995 von Heinz-Günter Stosch (*1950) abgelöst, der 2016 in den Ruhestand trat. Viele deutsche Studenten kennen Stosch gut aus seiner Einführung in die Isotopengeologie (auf Deutsch), einem seiner ausgezeichneten Online-Lehrbücher, die er kostenlos im Internet verteilt. Stosch wurde von Armin Zeh abgelöst, der seit 2015 als Professor für die Abteilung Petrologie am KIT tätig ist.

Gemeinsam sichtbarer - ein Institut mit 7 Professuren

Das Spektrum der Angewandten Geowissenschaften am KIT wurde durch die Stiftungsprofessur der Abteilung Technische Petrophysik mit Frank Schilling (gefördert von Herrenknecht) im Jahr 2009 und die Stiftungsprofessur der Abteilung Geothermie mit Thomas Kohl (gefördert von der EnBW) im Jahr 2010 weiter ausgebaut. Im Jahr 2015 fusionierte das Institut für Mineralogie und Geochemie mit dem Institut für Angewandte Geowissenschaften (die Lehrstühle für Ingenieurgeologie, Geothermie, Hydrogeologie, Petrophysik, Petrologie, Strukturgeologie) des KIT. Die kooperative Leitung des Instituts wird nun von einem geschäftsführenden Direktor geleitet.

Geschichte der verwandten Institute: Geophysikalisches Institut und das Institut für Kristallographie

Das Geophysikalische Institut wurde 1964 auf Initiative des Bauingenieurprofessors Hans Leussink (*1912 - †2008) vom Institut für Felsmechanik, Rektor der Friderciana und Bundesminister für Bildung und Forschung von 1969-1972, gegründet. Stephan Müller (1930 - †1997) wurde von 1964 bis 1971 als erster Professor des Geophysikalischen Instituts an die TH Karlsruhe berufen. Er war 1968 und 1969 Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät. Aufgrund der Teilung der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät im Jahre 1969 wurde das Geophysikalische Institut auf Empfehlung Leussinks in die Fakultät für Physik verlegt. Müller wechselte 1971 mit dem grössten Teil seines Personals an die ETH Zürich. Karl Fuchs (*1932) folgte Müller als Direktor des Geophysikalischen Instituts an der TH Karlsruhe und hatte von 1971 bis 1997 den Lehrstuhl für Geophysik inne. 1994 übernahm Friedemann Wenzel den Lehrstuhl für Allgemeine Geophysik von Karl Fuchs und setzte ihn mit einem gut eingespielten Forschungsteam fort. Andreas Rietbrock folgte Wenzel 2017. Ein zweiter Lehrstuhl für Angewandte Geophysik wurde 1983 eingerichtet, der bis 2007 von Peter Hubral geleitet wurde. Hubrals Arbeit auf dem Gebiet der Explorationsseismologie wurde vom SEG 2013 mit der Maurice Ewig-Medaille ausgezeichnet. Thomas Bohlen folgte Hubral im Jahr 2009.

Heinz Draheim (*1915 - †2012) war von 1960-1983 Professor am Institut für Geodäsie?) und von 1968-1983 Rektor von Friderciana. Zusammen mit Karl Fuchs und Henning Illies waren sie Mitbegründer des Schwarzwaldobservatoriums, das bis heute gemeinsam vom Institut für Geodäsie und dem Institut für Geophysik betrieben wird. In dieser Zeit führte eine enge Zusammenarbeit der Institute für Geologie (damals in der Fakultät für Bio- und Geowissenschaften), Geophysik (in der Fakultät für Physik) und Geodäsie (in der Fakultät für Bauingenieurwesen) zu erfolgreichen fakultätsübergreifenden Forschungsprojekten, z.B. SFB Felsmechanik (Felsmechanik), SP Hebung des Rheinischen Schildes (Hebung des Rheinischen Schildes), SFB Spannung und Spannungsumwandlung in der Lithosphäre (Spannung und Spannungsfreisetzung in der Lithosphäre), SFB Starke Erdbeben (Starkbeben), in der Fachwelt bekannt als "der Geist von Karlsruhe". Die Ergebnisse des Forschungsprogramms Spannung und Spannungsfreisetzung in der Lithosphäre werden heute als Weltspannungskarte bezeichnet.

Das ehemalige Institut für Kristallographie wurde 1964 mit der Ernennung von Hans Wondrascheck (*1925 - †2014) gegründet, der 1991 in den Ruhestand trat. Nach der Teilung der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät im Jahr 1969 wechselte Wondrascheck an die Fakultät für Physik und wurde von Kurt Hümmer abgelöst. Nach der vorzeitigen Emeritierung Hümmers und der Emeritierung von Privatdozent W.E. Klee wurde das Institut geschlossen.

Weiterführende Links zum Thema:

Text: Christoph Hilgers